Jazz und Pop müssen draußen bleiben

Februar 9th, 2011 von Jazz or No

Die Hochschule nimmt Stellung – wir auch!

Nun ist es definitiv: Am 7.2. verkündete die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt in einer Pressemeldung das Ende des Weiterbildungsstudienganges Jazz und Popularmusik. Die Rechtslage sei eindeutig: Die Hochschulen unterliegen dem „Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen für Forschung, Entwicklung und Innovation“ der Europäischen Kommission. Dieser stelle die staatliche Finanzierung oder versteckte Subventionierung von wirtschaftlicher Tätigkeit – dazu gehöre auch Weiterbildung – unter das Beihilfeverbot. Als Weiterbildungsangebot dürfe der Studiengang Jazz- und Popularmusik  deshalb nicht subventioniert werden. Die Hochschulleitung bedauere diese Entscheidung, hatte sie doch erst vor 5 Jahren den Studiengang eingeführt, da sie von Qualität und Sinn des Studiengangs überzeugt gewesen sei.

Die Hochschule hatte den Weiterbildungsstudiengang Jazz und Popularmusik 2005 auf das wiederholte Insistieren einiger Lehrenden hin „eingeführt“.  Zuvor hatte sie jedoch den bis 2000 existierenden gleichnamigen Aufbaustudiengang abgeschafft .  Fünf Jahre, in denen nichts passierte.  Der Weiterbildungsstudiengang stellte also ohnehin nur eine geduldete „Zwischenlösung“ und niemals einen Ersatz für den vorherigen Aufbau- oder gar grundständigen Studiengang dar. Finanziert hat er sich im Wesentlichen über die Beiträge der Studentinnen und Studenten. Immerhin: Die jetzigen Studierenden dürfen –  dank Eigeninitiative und Darlegung ihrer Motivation –  ihr Studium bis 2012 fortführen und es regulär beenden. Aber zeigt diese  Reaktion nicht auch, dass hinsichtlich der Auslegung der erwähnten Richtlinien vielleicht doch noch ein gewisser Spielraum bestünde?

Wir, die Initiative „jazz or no,“ setzt den Fokus auf  die Wiedereinrichtung des (Aufbau-)Studienganges . Sicherlich ist der Weiterbildungsstudiengang ein sinnvolles und ergänzendes Angebot und sollte auch weiterhin bestehen, da er Anlaufstelle für Weiterbildungswillige deutschlandweit ist.

Die Hochschule zeigt sich nun pikiert über die von außen kommende Kritik, sie schade damit dem Ruf Frankfurts als Jazzstadt. Daher vermag sie „bei allem Selbstbewusstsein nicht zu erkennen, wie die Bedeutung der Jazzstadt Frankfurt durch die Einstellung des Weiterbildungsstudienganges gefährdet werden könnte“. Dabei ginge es doch gerade mal sechs Studenten.

Im Moment befinden sich insgesamt 16 Studentinnen und Studenten (2 Jahrgänge) aus den unterschiedlichsten Städten Deutschlands im Weiterbildungsstudiengang, wie z. B. Berlin, Koblenz oder Freiburg. Wen mag es wundern, dass es potentielle Studierende aufgrund der vorherrschenden Verhältnisse nun eher in andere Städte zieht?  Städte, in denen man ein reguläres Jazzstudium absolvieren kann und in denen der Jazz von Seiten der Hochschule unterstützt wird?

Bigband der HfMDK, die beim Jazz-Festival 2011 auch ohne Jazz-Abteilung mit enormen Können (und einigen Aushilfen) aufwartete

Vom Stellenwert für des Jazz für die Hochschule hätte man sich beim diesjährigen 5. „Jazzfest an der HfMDK” überzeugen können –  auch ein freiwilliger Beitrag der Hochschule zum Kulturleben der Stadt Frankfurt, der auf erfreulich großes öffentliches Interesse stieß.

…ein Hauptsponsor machte es möglich! (Das wäre doch übrigens auch eine wunderbare Möglichkeit für den Studiengang, oder nicht? )… Wenn die Hochschulleitung selbst auf den Konzerten des Festivals  präsent gewesen wäre, hätte sie vielleicht mitbekommen, wie von Seiten (internationaler Gast-)Musiker mehrmals  das Nichtvorhandensein eines Jazz-Departements bedauert wurde.

Wer nun  auf der Homepage der Hochschule die zitierte Pressemitteilung/ Stellungnahme sucht, tut dies vergebens:  Sie wurde einen Tag nach der Veröffentlichung aus dem Netz genommen. Anstatt dessen prangt nun dort unter dem Titel „Bockenheim 2015! Neuer Kultur Campus mit der HfMDK mittendrin“ eine Mitteilung über den neuen Kultur Campus Bockenheim.  Stadt und Land haben endlich entschieden. Das jahrelange und hartnäckige Ringen um den Neubau habe sich somit gelohnt! Denn für die Hochschule eröffneten sich mit dieser Perspektive einzigartige Entwicklungschancen – aber auch für die Stadt und die Region: Durch die Kooperation zahlreicher Kulturinstitutionen und Ensembles werde mitten in Frankfurt ein Kulturzentrum mit großer internationaler Ausstrahlung entstehen.

Müssen Jazz und Pop bald draußen bleiben? (Uni-Campus Westend)

Wir gratulieren der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst herzlich für diesen wohl verdienten Erfolg. Schade, dass auf dem Kultur-Campus  Jazz und Pop nicht „mittendrin“ sein darf. Vielleicht  hätte man  gemeinsam mit den anderen Institutionen zur künstlerischen Vielfalt und anregenden Kommunikation untereinander beitragen können?

Denn eigentlich sollten weder einzelne Kunstformen, noch verschiedene Musikstile sich gegenseitig versperren, sondern voneinander profitieren. Vielleicht wäre eine Veranstaltung mit Alter Musik und Jazz doch mal ganz spannend? – auch hinsichtlich der Entwicklung für Stadt und Region.

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