Europa kontra Jazz?

Januar 23rd, 2011 von Jazz or No

Musikhochschule streicht den Weiterbildungsstudiengang  Jazz- Popularmusik

In der Musik-Szene ist schon lange bekannt, wie es um den Jazz-Nachwuchs in Frankfurt bestellt ist. Doch nicht genug, dass es  an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt keinen Studiengang Jazz und Popularmusik mehr gibt. Jetzt soll auch noch der bisher „tolerierte“ Weiterbildungsstudiengang sein jähes Ende finden. In einem offiziellen Brief teilte die Kanzlerin, Angelika Gartner, den Studentinnen und Studenten mit, „dass die Hochschulleitung entschieden hat, den Studiengang Jazz und Popularmusik einzustellen.“ Dies sei sehr bedauerlich, die Entscheidung jedoch unvermeidbar.

Natürlich gibt es hierfür eine einleuchtende Begründung: Seit 2009 unterliegen die Hochschulen dem so genannten „Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen für Forschung, Entwicklung und Innovation“ der Europäischen Kommission. Damit falle, so Gartner, die staatliche Finanzierung von wirtschaftlicher Tätigkeit unter das Beihilfeverbot, während die staatliche Förderung von nichtwirtschaftlicher Tätigkeit weiter zulässig bliebe. Infolgedessen müssten die Hochschulen beide Tätigkeitsformen in Bezug auf Kosten und Finanzierung eindeutig voneinander trennen. Das Weiterbildungsangebot sei demnach eine „wirtschaftliche“ Tätigkeit, die nicht subventioniert werden dürfe. Und leider, leider habe auch noch die Prüfung der Finanzsituation des Studiengangs ergeben, „dass dieser Studiengang in nicht unerheblichem Maß durch öffentliche Mittel subventioniert wird und eine Änderung dieser Lage ohne massive Steigerung der Studiengebühren nicht möglich ist.“

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Tönt bald kein Jazz mehr durch die heilgen Hallen? [Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

Auf Deutsch gesagt, dem Studiengang steht das unmittelbare Aus bevor. Immerhin: Die Studentinnen und Studenten des Abschluss-Semesters dürfen ihre Ausbildung auf dem herkömmlichen Wege beenden. Für die anderen, die gerade erst im letzten Jahr begonnen haben, heißt es in die Röhre gucken. Eine Fortsetzung des Studiengangs bzw. des Unterrichts über den 30.06.2011 hinaus sei von Seiten der Hochschule nicht möglich. Ganz zu schweigen von den Dozentinnen und Dozenten, deren Lehrtage nun gezählt sind.

Der Weiterbildungsstudiengang Jazz- und Popularmusik an der  Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt war auf Gesuch einiger Lehrenden der Jazz-Abteilung hin eingerichtet worden, nachdem die Hochschule den gleichnamigen Aufbaustudiengang sang- und klanglos abgeschafft hatte. Finanziert wurde dieser im Wesentlichen ohnehin durch die Beiträge der Studentinnen und Studenten. Der Weiterbildungsstudiengang war bislang die letzte Möglichkeit – wenngleich nur  unter eingeschränkten Bedingungen – an einer hessischen Hochschule Jazz und Popularmusik zu studieren. Mit der Streichung des Weiterbildungsstudienganges wird Hessen künftig nicht nur auf den Studiengang , sondern auch auf einige Jazz-Talente mehr verzichten müssen.

Weitere Informationen zu den Hintergründen in unserem Artikel Jazz auf Eis auf dieser Website (siehe unten).

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1 Kommentar

  1. Prof. Dr. Holger Eschmann Sagt:

    Wenn die Schilderung stimmt, ist der Vorgang – rechtlich gesehen – problematisch. Ein Studiengang kann normalerweise nicht so abrupt beendet werden. Wenigstens sollten die aktuell Studierenden Zeit haben, ihr Studium zu beenden (Bestandsschutz).